In meinen letzten BeitrĂ€gen sind wir tief in die Geschichte und die groĂen philosophischen Fragen unserer Zeit eingetauscht. Doch Philosophie ohne Alltag bleibt oft nur Theorie. Deshalb möchte ich heute einen ganz persönlichen Einblick mit dir teilen â nicht als jemand, der âam Zielâ angekommen ist, sondern als jemand, der selbst jeden Tag aufs Neue lernt.
Manchmal werde ich gefragt, wie ich in dieser lauten Welt meinen inneren Frieden bewahre – zumindest weitestgehend – . Wenn ich dann von meinem Alltag erzĂ€hle, klingt das manchmal nach einer langen Liste an Disziplin. Doch fĂŒr mich sind es keine Aufgaben, die ich âabarbeiteâ, sondern Anker, die mich halten. Es sind kleine, oft unkonventionelle Pfade, auf denen ich mich selbst und meine Verbindung zur Schöpfung wiederfinde.
Nimm das Folgende bitte nicht als Gebrauchsanweisung oder gar als Dogma. Es ist lediglich mein persönlicher Erfahrungsbericht. Vielleicht dient es dir als Inspiration, vielleicht lĂ€sst es dich auch einfach nur ĂŒber die Wunder unseres eigenen Körpers staunen. Denn wie schon Sebastian Kneipp wusste:
âGesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel.â
Und falls du dich fragst: Nein, auch bei mir lĂ€uft nicht jeder Tag perfekt. Es gibt Tage, da siegt die TrĂ€gheit, und Tage, an denen der Plan einfach zerfĂ€llt. Aber genau das ist das Leben â ein stĂ€ndiges Ausprobieren, ohne den Druck, perfekt sein zu mĂŒssen.
I. Die RĂŒckkehr zur Erde: BarfuĂgehen (Earthing)
Jeden Tag ziehe ich die Schuhe aus. In der modernen Welt sind wir durch Gummisohlen fast rund um die Uhr elektrisch isoliert. FĂŒr mich ist das BarfuĂgehen eine Art RĂŒckverbindung.
Ein Blick in die Forschung: Studien zum âEarthingâ (Erdung), unter anderem veröffentlicht im Journal of Environmental and Public Health, legen nahe, dass der direkte Kontakt zur Erde unseren Elektronenhaushalt harmonisieren kann. Dies scheint EntzĂŒndungswerte positiv zu beeinflussen und die ViskositĂ€t des Blutes zu verbessern. Es ist fĂŒr mich die einfachste Art, den Körper biologisch zu ânullenâ. Neben dem energetischen Austausch gibt es einen ganz profanen, mechanischen Grund: Unsere FĂŒĂe sind ein Meisterwerk der Statik, das wir durch moderne Schuhe oft in ein enges Korsett zwĂ€ngen. Schuhe mit AbsĂ€tzen und engen VorfuĂbereich verĂ€ndern unsere gesamte Physiologie â sie verkĂŒrzen die Wadenmuskulatur und schieben das Becken aus der Achse. Was die Wissenschaft sagt: BarfuĂgehen reaktiviert die FuĂmuskulatur und stellt die natĂŒrliche Ausrichtung des Körpers wieder her. Eine Studie im Journal Scientific Reports zeigt, dass barfuĂ lebende Menschen eine deutlich gesĂŒndere FuĂstruktur und eine stabilere Statik der WirbelsĂ€ule haben. Es ist ein ZurĂŒckkehren zum ursprĂŒnglichen Bauplan des Menschen.
II. Die Taufe im See: KĂ€lte als Mentor
Mindestens einmal pro Woche, das ganze Jahr ĂŒber, zieht es mich in den See. Besonders im Winter ist es jedes Mal ein Moment der absoluten Ăberwindung und anschlieĂenden Klarheit.
Ein Blick in die Forschung: Neben der bekannten EndorphinausschĂŒttung zeigt eine Studie im Fachmagazin Molecular Metabolism, dass regelmĂ€Ăige KĂ€lteanwendung weiĂes Fettgewebe in metabolisch aktiveres braunes Fettgewebe umwandeln kann. Zudem untersuchte die Virginia Commonwealth University, wie kurze KĂ€ltereize wie ein âResetâ fĂŒr das Nervensystem wirken können, was sogar bei depressiven Verstimmungen unterstĂŒtzend wirken kann.
III. Bewegung im Einklang: Natur, Kraft und der âHunde-Effektâ
Meine tĂ€glichen GĂ€nge mit meinem Hund sind fĂŒr mich keine Pflichttermine, sondern Momente der Achtsamkeit.
Was die Wissenschaft dazu sagt:
- Natur als Therapie: Eine Studie der Stanford University belegt, dass SpaziergĂ€nge in der Natur die AktivitĂ€t in jenen Hirnarealen senken, die fĂŒr GrĂŒbeln und negatives Gedankenkreisen zustĂ€ndig sind. Doch es geht weit ĂŒber die Psyche hinaus: Das in Japan entwickelte Konzept des Shinrin-yoku (Waldbaden) zeigt, dass BĂ€ume sogenannte Terpene (duftende Botenstoffe) aussenden. Wenn wir diese einatmen, steigt die Anzahl unserer natĂŒrlichen Killerzellen massiv an â unser sogenanntes Immunsystem wird im Vorbeigehen gestĂ€rkt.â Wie tiefgreifend diese Verbindung ist, zeigt eine bahnbrechende Studie des Forschers Roger Ulrich: Er fand heraus, dass Patienten nach einer Operation messbar schneller gesund werden, weniger Schmerzmittel benötigen und seltener ĂŒber Komplikationen klagen, wenn ihr Krankenhausfenster den Blick auf BĂ€ume statt auf eine kahle Hauswand freigibt. Die Natur ist nicht bloĂ Kulisse; sie ist eine aktive Heilkraft, die unseren Genesungsprozess auf Zellebene unterstĂŒtzt.
- Körpereigene Medizin: Training mit dem eigenen Körpergewicht und Ausdauereinheiten fördern die AusschĂŒttung von Myokinen. Diese Botenstoffe werden heute von Forschern (wie an der UniversitĂ€t Kopenhagen) als körpereigene Schutzfaktoren gegen chronische Krankheiten betrachtet.
- Der Hund als Anker: Untersuchungen (u.a. von Beetz et al.) zeigen, dass das Streicheln eines Hundes den Oxytocinspiegel steigen lÀsst, wÀhrend Stresshormone sinken. Besonders spannend: Kinder, die mit Hunden aufwachsen, entwickeln laut der GABRIEL-Studie oft ein robusteres Immunsystem und eine höhere soziale Resilienz.
IV. Die Kraft der lebendigen Nahrung (Vollwert & Rohkost)
In meiner ErnÀhrung orientiere ich mich an Pionieren wie Mikkel Hindhede, Werner Kollath und Dr. Max Otto Bruker. Ihr Ansatz: Die Nahrung so naturbelassen und vitalstoffreich wie möglich zu belassen.
Spannende Erkenntnisse hierzu:
- Die âVerdauungsleukozytoseâ: Der Forscher Paul Kouchakoff beobachtete, dass der Körper auf stark erhitzte Nahrung mit einer Erhöhung der weiĂen Blutkörperchen reagiert â ein Stresssignal. Isst man jedoch einen Anteil Rohkost vor der Mahlzeit, bleibt diese Reaktion oft aus.
- Pflanzliche FĂŒlle: Die bekannte China Study von T. Colin Campbell liefert beeindruckende Hinweise darauf, wie eine vollwertige, pflanzenbasierte ErnĂ€hrung Zivilisationskrankheiten vorbeugen kann. FĂŒr mich ist diese ErnĂ€hrungsform kein Verzicht, sondern ein Gewinn an Energie.
Ein weiterer Anker in meinem Alltag ist das Intervallfasten. Ich praktiziere tĂ€glich eine Essenspause von circa 16 Stunden und nehme nur zwei Mahlzeiten zu mir. Was die Wissenschaft sagt: Der japanische NobelpreistrĂ€ger Yoshinori Ohsumi hat mit seiner Forschung zur Autophagie bewiesen, was passiert, wenn wir dem Körper Pausen gönnen: Nach etwa 12 bis 14 Stunden ohne Nahrung beginnt die Zelle mit einem Selbstreinigungsprozess. Kaputte Zellbestandteile werden abgebaut und recycelt. Studien (u.a. im New England Journal of Medicine) belegen, dass Intervallfasten nicht nur den Insulinspiegel reguliert, sondern auch EntzĂŒndungen im Körper reduziert und die kognitive Funktion verbessert. Es ist, als wĂŒrde man dem Körper tĂ€glich Zeit geben, den âMĂŒllâ rauszubringen.
V. Die vertikale Verbindung: Leben mit Gott
Die tĂ€gliche Meditation und meine persönliche Beziehung zum Göttlichen sind das Fundament meiner StabilitĂ€t. In der Psychologie spricht man hierbei vom âKohĂ€renzgefĂŒhlâ (Aaron Antonovsky). Wenn wir die Welt als sinnvoll und eingebettet in eine höhere Ordnung wahrnehmen, steigt unsere Widerstandskraft gegen die StĂŒrme des Lebens massiv an.
VI. Erholung: Der âheiligeâ Mittagsschlaf, Gemeinschaft und Dankbarkeit
Der tĂ€gliche Mittagsschlaf von 30 Minuten und die Zeit mit meinen Freunden sind fĂŒr mich weit mehr als bloĂe Termine â sie sind meine festen Anker fĂŒr Regeneration und Lebensfreude.
Ein Blick in die Forschung:
- Herz und Hirn: Eine Langzeitstudie der UniversitĂ€t Athen assoziierte regelmĂ€Ăigen Mittagsschlaf mit einem deutlich geringeren Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Forscher der UniversitĂ€t des Saarlandes fanden zudem heraus, dass kurze Schlafphasen die GedĂ€chtnisleistung massiv unterstĂŒtzen.
- Das soziale Netz: Die legendĂ€re Harvard Study of Adult Development zeigt ĂŒber Jahrzehnte hinweg: Die QualitĂ€t unserer Beziehungen ist der stĂ€rkste Faktor fĂŒr ein langes, gesundes Leben.
Bevor ich den Tag abschlieĂe, nehme ich mir Zeit fĂŒr ein kleines, aber mĂ€chtiges Ritual: Ich schreibe vier positive Dinge auf, die mir an diesem Tag begegnet sind.Was die Wissenschaft sagt: Die Forschung der Positiven Psychologie (fĂŒhrend hierbei Martin Seligman und Robert Emmons) zeigt, dass dieses bewusste Fokussieren auf das Gute unser Gehirn buchstĂ€blich umprogrammiert. Durch die NeuroplastizitĂ€t lernen wir, Chancen und Lichtblicke schneller wahrzunehmen. Studien belegen, dass Menschen, die ein Dankbarkeitstagebuch fĂŒhren, messbar zufriedener sind, besser schlafen und eine höhere psychische Widerstandskraft (Resilienz) entwickeln. Es ist das abendliche âDĂŒngenâ der Seele.
Fazit: Ein Tanz, kein Marsch
All diese Dinge integrieren sich heute fast wie von selbst in meinen Tag. Ich mache sie nicht mehr, weil ich âmussâ, sondern weil sie mir guttun. Es ist keine Selbstoptimierung aus Angst, sondern eine Form der Selbstliebe und der Achtung vor dem Geschenk des Lebens.
Vielleicht gibt es einen dieser Punkte, der auch in dir eine Saite zum Schwingen bringt. Wenn ja, probier es aus â in deinem Tempo, nach deinem GefĂŒhl. Wir sind keine Maschinen, sondern beseelte Wesen in einem wunderbaren biologischen Tempel.
Gott hat uns diesen Körper und diese Welt als Ort der Erfahrung gegeben. Lassen wir uns darauf ein â mit Freude und ohne Druck.